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Ein großes Geschenk

Petra und Klaus Fiebig (abgeänderte Namen) leben mit ihrer adoptierten Tochter Lina in Berlin. Sie sind sehr froh darüber, dass sie die leibliche Mutter von Lina persönlich kennenlernen durften. In der Familie bestimmt Lina den Zeitpunkt, wann sie über ihre leiblichen Eltern sprechen möchte.

Welche Gefühle empfinden Sie gegenüber den leiblichen Eltern?

Petra und Klaus Fiebig: Wir sind sehr dankbar dafür, dass sich die Mutter von Lina dafür entschieden hat, ihr Kind in unsere Hände zu geben. Wir haben ein supersüßes Baby in den Arm gelegt bekommen und sind so eine Familie geworden. Ein sehnlicher Wunsch ist in Erfüllung gegangen, der glücklichste Moment in unserem Leben. Wir empfinden auch großen Respekt für ihre Entscheidung, vor allem sind wir sehr froh, dass sich Linas Mutter dann doch gegen eine anonyme Abgabe entschieden hat und wir sie kennenlernen konnten. Wir denken immer wieder an Linas Mutter, besonders an Linas Geburtstag, und fragen uns, wie es ihr wohl geht. Eine Fantasie begleitet uns seit der Adoption: An Linas Hochzeit kommen wir alle zusammen und feiern mit „unserem“ Kind.

Hatten Sie bereits Kontakt zur Mutter?

Petra und Klaus Fiebig: Als Lina etwa ein Jahr alt war, haben wir ihre leibliche Mutter getroffen. Im Vorfeld hatten wir wilde Träume, dass sie Lina vielleicht zurückhaben wollte, schließlich ist es ja ihr Kind. Wir sind also voll Unruhe zu dem Treffen gegangen. Die Begegnung fand in den Räumen der Adoptionsvermittlung statt. Linas leibliche Mutter war sehr offen zu uns und hat uns davon erzählt, wie schwierig es für sie war, die Entscheidung zu treffen, Lina freizugeben. Es war erstaunlich entspannt und offen zwischen uns. Die Adoptionsvermittlerin hat Fotos von uns allen gemacht, die haben wir in Linas Fotoalbum geklebt.

Wie sprechen Sie mit Lina über ihre leiblichen Eltern?

Petra und Klaus Fiebig: Das erste Mal fragte mich Lina aus heiterem Himmel auf der Straße: „Eigentlich bist du ja nicht meine richtige Mama, oder?“ Der Klassiker – und ich habe ziemlich verspannt reagiert: „Doch, bin ich ja eigentlich schon, du hast ja zwei Mamas“ und so weiter. Darauf Lina: „Mama, ich möchte nicht mehr darüber sprechen.“ Da habe ich ganz konkret gemerkt, dass es auch einen Stachel gibt bei dieser Frage, den wir akzeptieren müssen. Denn man fühlt sich ja wie die richtige Mutter, der richtige Vater. Dass zu uns als Adoptionsfamilie auch die leiblichen Eltern und auch die Großeltern gehören, haben wir angenommen, aber das brauchte etwas Zeit. Unsere Haltung ist jedoch, dass Lina diejenige ist, die vorgibt, wann wir über ihre leiblichen Eltern sprechen, nicht wir.

Das Interview wurde im Auftrag des Bundesfamilienministeriums im Rahmen des Magazins „Blickwechsel Adoption“ geführt.