Menschenhandel findet häufig grenzüberschreitend statt. Die Betroffenen werden zum Zwecke der Ausbeutung, unter anderem mittels falscher Versprechen, über Ländergrenzen hinweg angeworben und befördert. Der sogenannte Focal Point ist die offizielle Anlauf- und Koordinierungsstelle für Fälle von grenzüberschreitendem Menschenhandel in Deutschland. Er unterstützt die Zusammenarbeit zwischen Behörden, internationalen Organisationen und Hilfseinrichtungen zum Schutz und der Unterstützung von Betroffenen von Menschenhandel.
Auf europäischer und internationaler Ebene zusammen arbeiten
Innerhalb der Europäische Union sind die Mitgliedstaaten über die EU-Menschenhandelsrichtlinie 2024/1712/EU verpflichtet, nationale Kontaktstellen für den grenzüberschreitenden Menschenhandel einzurichten. Diese fungieren als Anlauf- und Verweisungsstelle zwischen den Staaten und arbeiten eng mit europäischen und internationalen Partnern zusammen.
In Deutschland wird der Focal Point durch das Bundeskriminalamt (BKA) und den Bundesweiten Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. (KOK e.V.) wahrgenommen.
Das BKA übernimmt diese Aufgabe in seiner Funktion als Zentralstelle, die die Polizeistellen des Bundes und der Länder bei der Verhütung und Verfolgung von Straftaten mit länderübergreifender, internationaler oder sonst erheblicher Bedeutung unterstützt. Der KOK e.V. übernimmt diese Funktion als bundesweiter Zusammenschluss aus Fachberatungsstellen (FBS) und Organisationen, die sich gegen Menschenhandel, Ausbeutung und Gewalt an Migranten und für die Rechte Betroffener einsetzen, als Anlaufstelle für zivilgesellschaftliche Akteure. Das Bundesgleichstellungsministerium fördert den KOK e.V. mit zusätzlichen Mitteln für die Aufgabenwahrnehmung als Focal Point.
Aufgaben des Focal Points
Der Focal Point dient als offizielle, nationale Kontaktstelle für inländische und ausländische Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen und internationale Organisationen der Strafverfolgung. Er unterstützt den Informationsaustausch im Bereich der Strafverfolgung und die grenzüberschreitende Verweisung und Begleitung von Betroffenen.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Schutz und der Unterstützung der Betroffenen von Menschenhandel, insbesondere durch die Unterstützung der Fachstellen oder Organisationen, die mit Betroffenen in Kontakt kommen.
Der Focal Point:
- vermittelt Hilfsangebote über Ländergrenzen hinweg,
- koordiniert den Informationsaustausch und vermittelt sicherheitsbehördliche Ansprechpartner im Bereich der Strafverfolgung mit länderübergreifender, internationaler oder sonst erheblicher Bedeutung,
- arbeitet mit spezialisierten Fachberatungsstellen zusammen.
Der Focal Point stärkt die internationale Zusammenarbeit, unterstützt die Verweisung von Betroffenen und sorgt für klare Zuständigkeiten. Dadurch können Betroffene schneller und besser geschützt, Täterstrukturen verfolgt und Ressourcen effizient eingesetzt werden.